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       São Paulo, 23/05/2012, 15:23          
 














28/01/2007

Staatliche Leiterin lobt das Projekt zur Beseitung der Lepra


von Moacir Beggo (Übersetzung: Matthias Ott)

Oben: Das Plakat, das die Kampagne begleitet, zeigt das Bild "Franziskus und der Aussätzige", des italienischen Malers Piero Casentini. Unten: Die Leiterin des staatlichen Programmes zur Eindämmung der Lepra, M. L. C. Marzliak, mit dem Evangeliar und Bruder J. Bahlmann, Leiter des franziskanischen Projektes.

São Paulo (SP) – Der Welttag der Leprakranken wurde an diesem Sonntag durch die Eröffnung des zweiten Wegstück des Programms "Franciscanos pela Eliminação da Hanseníase" (Franziskaner für die Beseitigung der Lepra), während des Hochamts in der Kirche des Konvents São Francisco in São Paulo, begangen. Die Messe feierte Bruder Johannes Bahlmann, der Leiter des Projekts. Anwesend war auch die staatliche Leiterin des Programms zur Eindämmung der Lepra, Mary Lise C. Marzliak, und eine Gruppe Freiwilliger der Bewegung zur Reintegration von Lepra betroffener Menschen (Morhan).

Ebenso wurde das Projekt an diesem Gedenktag von allen Gemeinschaften, Gemeinden und Konventen der Franziskanerprovinz von der unbefleckten Empfängnis in Brasilien, verteilt über fünf Bundesstaaten (Espirito Santo, Rio de Janeiro, São Paulo, Paraná und Santa Catarina), während der Messfeier vorgestellt. Dafür waren 300.000 Flugblätter gedruckt worden und Tausende von Plakaten informierten darüber, wie eine Früherkennung stattfinden kann. "Es erfüllt uns mit großer Freude, dass wir vom Gesundheitsministerium, vor allem vom Programm zur Eindämmung der Lepra, einem Gottesdienst für durch die Lepra betroffene Menschen beiwohnen dürfen. Es ist gut, dass wir Zeugen dieser Zeit sind, in der wir wenigstens in Brasilien Gottesdienste für von der Lepra Betroffene feiern. Ich möchte mich bei dem Konvent bedanken und zu der wunderbaren Arbeit des Franziskanerordens gratulieren.“, lobte Mary Lise C. Marzliak, staatliche Leiterin des Programmes zur Eindämmung der Lepra, die daran erinnerte, dass Lepra heute heilbar ist. "Die Behandlung dauert sechs bis zwölf Monate, ist kostenlos, und das Wichtigste: wenn sie eine weissliche oder rötliche Hautstelle bemerken, die nicht juckt, nicht schmerzt, nicht brennt, suchen sie das nächste Gesundheitszentrum auf und dort wird diese Stelle dann untersucht werden, damit wir schnellstmöglich mit der Behandlung beginnen können und so die Heilung ohne Risiko auf bleiende Schäden erreichen", wies sie an.

Die staatliche Koordinatorin hob hervor, dass die Krankheit in São Paulo schon nicht mehr als problema de saúde pública gesehen werden muss, wie es in den Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul der Fall sei. "In diesem Abschnitt der Arbeit, nachdem es uns gelungen ist, dass die Krankheit nicht mehr grassiert, ist es wichtig, diesen Stand zu halten und weiter auszubauen. Sonst besteht die Gefahr, dass sie zurückkehrt und sich wieder verschlimmert", erklärte sie und führte aus, dass das dazu "beste Mittel" die Öffentlichkeitsarbeit sei. "Mit diesem Projekt helfen Sie uns, die ersten Anzeichen und Symptome der Krankheit bekannt zu machen, genau wie die Behandlungsorte. Das ist eine Unterstützung von unschätzbarem Wert", schloss sie.

Die Liebe heilt
Einer der denkwürdigen Momente der Feier war die schlichte Erklärung von Olímpio de Freitas Sobrinho, der sich als Freiwilliger in der Bewegung zur Reintegration von Lepra betroffener Menschen (Morhan) engagiert und sich heute, mit 73 Jahren, blendender Gesundheit erfreut, nachdem er die Krankheit überwunden hat. "Noch immer ist die Liebe die beste Medizin gegen alle Übel der Welt. Sofern sie sich durchträgt in Arbeit, in Gesinnung, in Demut. Auch die Lepra wird durch Liebe geheilt – durch viel Liebe", urteilte er und erhielt Beifall. Herr Freitas ist Teil der Morhan-Gruppe in Jabaquara.

Die Überlegungen von Herrn Freitas wurden von Sandra Maria Pereira Ferraz unsterstrichen. Auch sie ist eine Freiwillige bei Morhan und erinnerte an die Ausgrenzung, die von der Krankheit Betroffene erfahren. "Noch heute, nach so vielen Jahrhunderten, sehen wir unzählige Menschen unter Vorurteilen und Ausgrenzung leiden. Der Grund für all dies – und daran arbeiten wir – ist der niedrige Informationsgrad. Die Menschen werden nicht über die Krankheit aufgeklärt. Unter all den übertragbaren Krankheiten, die wir kennen, verbreitet sich die Lepra mit am langsamsten, weil abgesehen davon, dass es Behandlungs- und Heilungsmöglichkeit gibt, 90% der Menschheit von Natur aus immun sind. Es gibt also keinen Grund, sich zu fürchten. Wir müssen den Menschen die Hand reichen und ihnen helfen, in Behandlung zu kommen. Denn dies ist das Wichtigste für jemanden, der an Lepra leidet", hob Frau Ferraz hervor, die Krankenschwester ist.

In ihren Augen verdient das franziskanische Projekt die Würdigung. "Ich denke, dass die Kirche , unermesslich zum Kampf gegen die Lepra beiträgt, wenn sie die von der Krankheit Betroffenen einigt, die Einrichtungen und die beruflich damit Beschäftigten. In diesem Kampf eint uns das gemeinsame Ziel", ergänzte sie. Für sie wäre die Beseitung innerhalb Brasiliens ein grosser Fortschritt in der weltweiten Beseitigung, ist es doch das Land mit der zweitgrössten Zahl von Leprafällen.

Unter den Vorschlägen der Bewegung, die der Lula-Regierung vorgelegt wurden, findet sich auch einer zur Schaffung einer ministerienübergreifend arbeitenden Gruppe innerhalb des Staatssekretariats für Menschenrechte; zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner der alten Hospizkolonien; und zur Verabschiedung eines Gesetzes für die Exilierten aus der Zeit der Säuberungspolitik gegen die Lepra - das heisst diejenigen, die aus dem gesellschaftlichen Zusammenleben und ihren Familien verbannt.und zusammen in Kolonien von „Aussätzigen“ isoliert wurden.

Das Projekt der Franziskaner
Bruder Johannes bat um die Unterstützung der Anwesenden für das Projekt. "Ich wünsche mir, dass Sie dieses Projekt mit Ihrer Solidarität, Ihrem Gebet und auch durch Weiterverbreitung unterstützen. Seien Sie Träger dieses Projektes, tragen Sie es in die Randgebiete und dorthin, wo die Leute wissen, dass es diese Krankheit gibt", betonte er. "Wir wünschen uns wirklich, dass diese Krankheit in Brasilien beseitigt wird, damit wir in einigen Jahren sagen können, dass Brasilien frei von diesem Makel ist. Wir können eine würdige und franziskanische Antwort finden", endete er dann.

Solange Monteiro Amador, Sozialarbeiterein, erinnerte daran, dass das Projekt über die Informationsarbeit hinaus, eine psychologisch-sozial-ökonomische Hilfe geben will. Das bedeutet, dass der Patient, der sich der Behandlung unterzieht, Unterstützung dabei erfährt, die Vorurteile zu überwinden und dass ihm ermöglicht wird, ein Gesundheitszentrum zu erreichen. "Wir dürfen nicht nur an die Verhältnisse in São Paulo denken. In vielen Regionen des Landes sind die Krankhenhäuser weit von den Behausungen entfernt und es ist schwierig, dorthin zu gelangen", erklärte sie.

Schwester Inês, Franziskanerin, beschrieb die Krankheit zur Zeit des heiligen Franziskus. Sie erinnerte an die Liebe die der Heiligen gegenüber den Leprakranken hatte, die ausserhalb der Stadtmauern wohnten. "Damals war diese Krankheit unheilbar. Um niemanden anzustecken, lebten sie am Rand der Städte, ausgeschlossen. Wenn sie die Stadt betreten mussten, trugen sie ein Glöckchen, um davor zu warnen, dass sie sich näherten. Die Gesunden wichen ihnen aus, um sich nicht anzustecken. Oder sie flohen aus Ekel vor dem Gestank. Nicht anders war es mit dem heiligen Franziskus, dem Sohn eines Händlers. Auch er ekelte sich vor diesen ausgeschlossenen Brüdern. Eines Tages fand Franziskus durch die Gnade Gottes den Mut, zu fragen: Herr, was willst du, dass ich tue?'. Und er entschloss sich, sich selbst zu besiegen und dem Aussätzigen zu begegnen. Dem zu begegnen, der aus der Gesellschaft ausgestossen war, sogar durch die Kirche. Franziskus entschloss sich, ging zu einem der Entstellten küsste ihn und liess sich von ihm küssen. Umarmte ihn und liess sich von ihm umarmen. Von dieser Erfahrung ausgehend liess Franziskus die Gnade Gottes sein Leben durchdringen. Von da an stellte er sich in den Dienst des Evangeliums und sorgte auf liebevolle Weise für die Aussätzigen", schloss sie.