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Von Moacir Beggo, São Paulo
Übersetzt von Dr. Norbert Rutschmann
Wenn Dom Frei Bernardo Johannes Bahlmann am 24. Mai dieses Jahres sein Amt in der Prälatur von Óbidos antritt, wird er sein Bischofsamt inspiriert durch den Geist eines anderen Franziskanerbischofs beginnen: Dom Frei Amando Bahlmann. Dies war der erste Franziskanermissionar, der vor wenig mehr als hundert Jahren mit dem Auftrag nach Brasilien kam, die Franziskanerprovinz der Unbefleckten Empfängnis in Brasilienwiederzuerrichten und zu erneuern. Dies gelang ihm bestens und dank seines Charismas wurde er zum Bischof der Prälatur von Santarém ernannt, wo er seinen Namen für immer verewigte.
Ein Jahrhundert später kommt Frei Johannes als letzter deutscher Franziskanermissionar nach Brasilien und wird Bischof der Prälatur von Óbidos, in der gleichen Region, in die einst D. Amando gekommen war.
Neben diesen Übereinstimmungen schildert Frei Johannes in diesem Interview, dass er, auch als Bischof, nur in der Kontinuität seiner ursprünglichen Motivation steht, die ihn damals bewog, Missionar in Brasilien zu werden. Er verbirgt nicht seine Überraschung darüber, die Verantwortung für eine so große Prälatur zu übernehmen, mit einer geographischen, kulturellen und ökonomischen Situation, die total unterschiedlich ist zu den Gebieten, mit denen er bisher zu tun hatte. Aber er tut dies voller Vertrauen und Hoffnung.
Um Gespräch und Kontaktaufnahme zu erleichtern, wird sich Frei Johannes als Bischof Dom Frei Bernardo nennen, so wie der erste Gefährte des Heiligen Franziskus von Assisi. Hier das Interview:
Franziskanische Website – Frei, wie ist Ihr Gefühl, nachdem Sie zu Beginn dieses Jahres diese Nachricht bekommen haben?
Frei Johannes – Ich bin sehr glücklich über diese Ernennung. Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich: außer dass es der Geburtstag meines Vaters ist, ist es auch der internationale Welttag des Kampfes zur Beseitung der Lepra. Natürlich empfinde ich auch die große Herausforderung in der Zukunft, vor allem weil ich in ein Gebiet komme, das ich kaum kenne, auch wenn ich schon einmal dort war. Dies war 2001, als ich die Franziskanerprovinz São Benedito da Amazônia als Visitator besuchte. Gleichzeitig steht diese Ernennung aber auch in direkter Folge zu dem, was meine ursprüngliche Berufung motivierte, nämlich Franziskanermissionar in Brasilien zu werden und dort in Einfachheit zu leben. In der Prälatur von Óbidos, einer Region, die noch viele Missionare benötigt, werde ich meine Berufung fortsetzen können. Als ich Visitator der damals noch Vizeprovinz São Benedito war, sah ich den Bedarf an Missionaren und anderen Menschen, die sich denen anschließen, die schon da sind, um ihren Beitrag zu leisten. Bei dieser Gelegenheit erwachte in mir der Wunsch, dort Missionar zu werden. Auch die Mitbrüder sagten: „Warum bleibst Du nicht hier?”. Heute nun erfüllt sich dieser Traum.
Franziskanische Website – Hatten sie nicht in den letzten Jahren Aufgaben, die eher „entfernter“ von den Menschen waren?
Frei Johannes – Ja. Mein Herz wünscht sich Missionar mitten unter den Menschen zu sein. Dies passt auch besser zu mir, als nur eine Funktion auszuüben, auch wenn diese sehr verantwortungsvoll ist. Zur Zeit bin ich Mitglied eines der größten Klöster der Provinz, des Franziskanerklosters São Francisco im Stadtzentrum von São Paulo. In dieser Kommunität helfen sich alle und wir fühlen uns dort sehr geborgen. Als Bischof werde ich für eine Diözese verantwortlich sein. Andererseits sehe ich dem ruhig entgegen, weil D. Martinho, der auch Franziskaner ist, dort bleiben wird. Ich habe ihn gebeten, in Óbidos zu bleiben. Wir werden zusammenwohnen und eine kleine Gemeinschaft mit 2 Brüdern bilden. Zusätzlich gibt es in Óbidos eine Franziskanergemeinschaft der Kustodie São Benedito, die ich persönlich kenne, eine gute Gruppe von neun Diözesanpriestern, die Steyler Missionare und drei Schwesternkongregationen (Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes, Franziskanerinnen von Maria Stern und Franziskanerinnen von Dillingen), außerdem ganz engagierte Laien. Dies ist sehr positiv.
Franziskanische Website – Werden Sie den Weg von Frei Amando Bahlmann zu Ende führen der vor 100 Jahren Bischof der Prälatur von Santarém wurde?
Frei Johannes – Ja, das ist ein interessanter Punkt. Er war der erste deutsche Missionar der Provinz der Imaculada und der erste Bischof von Santarém. Ich bin der letzte Bruder, der aus Deutschland kam. Als ich die ewigen Gelübde ablegte, machte der ehemalige Provinzial Frei Estevão Ottenbreit darauf aufmerksam, dass Dom Amando der erste der aus einer Familie Bahlmann war und ich nun der letzte aus einer gleichnamigen Familie bin, der der Provinz der Unbefleckten Empfängnis beitrat. Vielleicht kommt ja noch jemand aus Deutschland, aber momentan ist das die Situation. D. Amando ist ein Mensch, der mich sehr inspiriert und auch bewegt durch das, was er damals tat. Und er tat wirklich viel für diese Region. Er war wirklich präsent. Man muss wissen, dass die Prälatur von Santarém damals ein riesiges Gebiet umfasste! (mittlerweile ist sie unterteilt in die Prälaturen von Altamira, Óbidos, Itaituba und Santarém). Er war als Bischof sehr dynamisch und hatte auch noch viele Aktivitäten in Deutschland.
Franziskanische Website – Trotz Ihrer geringen Kenntnis der Prälatur, können Sie schon die Herausforderungen benennen, die in Zukunft auf Sie zukommen?
Frei Johannes – Offen gestanden kann ich nicht viel sagen, weil ich noch nicht vor Ort gelebt habe. Aber im Kontext von Amazonien kann man heute schon sagen, dass es sich um eine Region handelt, die wegen der ökologischen Frage sowohl national als auch international viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, in der es vor allem um die Entwaldung des amazonischen Regenwaldes geht. Wie kann man die Natur, den einzigartigen natürlichen Reichtum dieser Region bewahren und dabei die Integrität und die Würde der Menschheit als Ganzes erhalten? In dieser Beziehung kann besonders der Heilige Franziskus von Assisi mit seinem Charisma des Respekts, der Wertschätzung und der Bewunderung aller Kreaturen Positives beitragen. In diesem Zusammenhang ist auch das Wasserproblem bedeutsam, das für das Leben in Amazonien und der Welt existentiell ist. Wie können wir damit so umgehen, dass wir eine Kultur des Lebens und des Lebens für alle begünstigen? Nicht eine Kultur des Todes, wie es sie zur Zeit gibt. Als Referenz komme ich auf den Heiligen Franziskus zurück. Wir als Christen, verwurzelt in Jesus Christus, sehen aufgrund des Evangeliums den Menschen als Ganzen.
Ich sage noch einmal, dass man erst hier leben muss, um wirklich mitreden zu können. Als ich damals nach Brasilien kam fragten mich die Leute, wie lange es wohl brauchen wird, Brasilien kennen zu lernen und sich an seine Kultur zu gewöhnen. Ich sagte: “10 Jahre”. Es ist notwenig mitzuleben, weil man ohne dies immer den Blick dessen haben wird, der von außen kommt. Man muss sich den Blick derer aneignen, mit denen man zusammenlebt.
Franziskanische Website – Sie lebten meist im Süden?
Frei Johannes – Ja, und der Norden wird eine andere Realität sein. Als ich im Stadtviertel Osvaldo Cruz in Petrópolis wohnte, in einer sogenannten Favela, wo wir Franziskaner ein Ausbidlungshaus hatten, war das eine andere Realität in der wir lebten. Dort habe ich Brasilien wirklich kennen gelernt. Da habe ich mit den Menschen zusammengelebt. Man muss vorher zusammenleben um zu lernen und zu verstehen.
Franziskanische Website – Wird der Franziskaner D. Martinho beim Beginn ihrer neuen Aufgabe ein besonders wichtiger Verbündeter sein?
Frei Johannes – D. Martinho war 33 Jahre lang Bischof der Prälatur. Wenn man so will, ein ganzes Leben. Ich bin sehr dankbar dafür, dass er als mein Mitbruder an meiner Seite im Haus bleiben wird. Und ich weiß, dass ich von ihm sehr viel lernen kann.
Franziskanische Website - Hatten sie, als sie 1983 nach Brasilien kamen, bereits die Option Franziskaner zu werden? Würden Sie ein bisschen aus ihrem Leben und über Ihre Berufung erzählen.
Frei Johannes – Meine Familie stammt aus einem Dorf in Deutschland, aus Visbek. Mein Vater und meine beiden Brüder arbeiteten und arbeiten als Bankleiter, meine Schwester ist Hausfrau und Sekretärin in einer Schule. Ich jedoch habe das Leben auf dem Land immer geliebt. Als Kind ging ich regelmäßig auf den Bauernhof der Cousine meiner Mutter, einer Tante. Ich beschäftigte mich gerne mit dem Vieh und ritt auch gerne auf den Pferden. Dies weckte mein Interesse für die Landwirtschaft. Viel später, als ich die Schule beendet hatte, war ich auf der Suche nach einem Beruf. In Deutschland gibt es die Möglichkeit, eine Lehre zu machen, wobei man in einer Fabrik oder wie in meinem Fall auf einem Bauernhof arbeitet. Einmal in der Woche besucht man die Schule. Zu meiner Zeit dauerte diese Lehre 2 Jahre. Heute beträgt die Dauer der Ausbildung 3 Jahre. Im ersten Jahr machte ich die Lehre auf einem Bauernhof 50 km von meinem Heimatdorf entfernt. Im zweiten Jahr arbeitete ich auf dem Bauernhof meiner Tante. Daran anschließend machte ich 1981 eine Weiterbildung von einem Jahr. Damals erzählte mir mein Lehrer von einem Kurs in Nordamerika. Da entschied ich mich für ein Praktikum in den Vereinigten Staaten, auf einem Bauernhof in Minneapolis/St. Paul, Minnesota, in der Nähe des Mississipi. Ein Jahr lang war das tägliche Melken der Kühe eine meiner Aufgaben. Ich arbeitete ziemlich hart. Es war in dieser Zeit, als mich etwas zu beunruhigen begann. Kurz bevor ich dahin ging, erkannte ich, dass die Landwirtschaft vielleicht doch nicht mein Weg sein könnte. Ich dachte an eine geistliche Berufung. Aber ich hatte nichts klar und kannte auch keine Patres damals. Ich nahm an dem kirchlichen Leben in meiner Heimatgemeinde teil, aber die Idee Priester oder Ordensmann zu werden, war mir zuerst sehr fremd. Einschließlich der Tatsache, dass ich in den ersten Monaten einen starken Widerstand zu dieser Idee in mir verspürte. Ich dachte mit einer geistlichen Berufung nichts zu tun zu haben.
Franziskanische Website – War das der Beginn des Entscheidungsprozesses, wie bei Franziskus auf seinem Weg nach Spoleto?
Frei Johannes – Ich fragte mich: “Was soll ich tun?” Aber diese Idee ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Und sie kam immer wieder. Ich dachte: “Ich muss irgend etwas machen”. Ich suchte den damaligen Vikar meiner Pfarrei auf, der noch jung war, gerade erst geweiht, heute Weihbischof unserer Diözese Münster: Heinrich Timmerevers. Er nahm übrigens auch an der Bischofsweihe von Bischof Leonardo Ulrich Steiner als einer der konsekrierenden Bischöfe teil. Damals sprach ich ihn an unter dem Vorwand, was ich tun könnte falls ich nicht an den sonntäglichen Gottesdiensten in den USA teilnehmen könnte. Bei dieser Gelegenheit erzählte ich ihm dann, dass ich grosse Zweifeln hätte über meine eingeschlagenen Weg in der Landwirtschaft und “Gott dabei war, mich zum Priesteramt zu berufen“, aber ich nicht sicher sei. Ich fügte hinzu, dass ich nicht wüsste, ob ich in die USA gehen sollte. Aber er ermutigte mich zu gehen und diese Erfahrung zu machen. Wir blieben in Kontakt und ich sprach mit ihm über meine Erfahrungen. In den USA lernte ich die Benediktiner der Abtei von St. John’s in Collegeville kennen, die sich weiter nördlich in Minnesota befindet und eine der größten der Welt ist. Bei den Besuchen in der Benediktinerpfarrei von Hastings in Minnesota begann ich mich mehr für das Ordensleben zu interessieren. Bis dahin hatte ich noch nicht an eine Ordensberufung gedacht. Ich wollte Diözesanpriester werden, sah mich aber als solcher nicht in Deutschland. Ich dachte an einen anderen Ort, um Priester zu sein. Ich schickte einen Brief an den Verantwortlichen für die Berufungspastoral der Benediktiner mit der Anfrage, ob ich da eintreten könnte. Er antwortete mir, dass dies natürlich möglich sei, er es aber besser fände, dass ich zuerst nach Deutschland zurückkehre und dort die Benediktiner aufsuche. Wenn ich zu dem Schluss käme, in die USA zurückkehren zu müssen, könne ich ja erneut Kontakt aufnehmen. Bei meiner Rückkehr nach Deutschland suchte ich die Benediktiner nicht auf, weil es in der Nähe meines Heimatortes keine gab. Die Idee blieb, so sagen wir mal, auf der Warteliste. Ich setzte meine Ausbildung auf dem Bereich der Landwirtschaft fort, dieses Mal in einer Schule in Osnabrück. Ich lebte dort ca. ein Jahr und wohnte praktisch direkt neben den Franziskanern der Saxonia (jener Provinz die die Provinzen des Heiligen Antonius und der Unbefleckten Empfängnis in Brasilien wiedererrichteten. Einmal kam ich in die Nähe der Pforte des Klosters, aber ging nicht hinein. Ich spürte, dass mein Weg nicht dahin ginge. 1982 bekam ich über Zeitungsberichte Kenntnis von den Franziskanern in Brasilien und dachte: “Mensch, das könnte doch etwas für mich sein...”. Einen Monat später las ich erneut einen anderen Artikel über das gleiche Thema: “Ich dachte, das ist es!”. Bald darauf lernte ich den Bruder von Frei Hans Stapel, P. Paul, kennen, der Frei Hans in Brasilien besucht hatte. Nach seiner Rückkehr erzählte er uns mit großer Begeisterung von seinem Besuch in Brasilien. Dabei stand mein Herz in Flammen und ich dachte bei mir: “Das ist es!”. Ende 1982 begegnete ich Frei Hans bei einem Treffen und fragte ihn dort, ob es möglich wäre, Franziskaner in Brasilien zu werden. Er sagte ja. Wir sprachen etwa fünf Minuten miteinander und ein halbes Jahr später war ich hier.
Franziskanische Website – Aber sie kamen, um zunächst eine Erfahrung zu machen?
Frei Johannes – Für mich war es innerlich schon klar: ich wollte bei den Franziskanern eintreten. Aber ich brauchte jemanden, der mir bei diesem Unternehmen half. Diese Person war dann Frei Hans. Er lebte im Konvent der Pfarrei Nossa Senhora da Glória, im Stadtviertel von Pedregulho in Guaratinguetá (SP). Aber ich kam nicht alleine und wohnte im Pfarrhaus mit drei weiteren jungen Deutschen – 2 jungen Männern (einer von ihnen ist heute der Propst von Hannover Martin Tenge und zum anderen, Meinolf Schumacher habe ich leider den Kontakt verloren) und einer jungen Frau, Andrea Blaschke, die in Berlin lebt. Damals unterstützten wir Nelson, einen Jugendlichen aus der Pfarrei in Guaratinguetá, der sich am Abend mit einer Gruppe von 4 jungen drogenabhängigen Männern traf, um sich über das Wort Gottes auszutauschen. Während des Tages arbeiteten wir mit diesen Jugendlichen bei der Vorbereitung der ersten Fazenda da Esperança im Stadtviertel Santa Hedwiges, wo heute das Zentrum für die Männer ist. Frei Hans schlug vor, an diesem Ort mit der Anpflanzung von Gemüse zu beginnen.
Franziskanische Website – Also haben Sie am Start der Fazenda da Esperança mitgewirkt?
Frei Johannes – Ja. Diese Jugendlichen lebten noch zusammen mit ihren Familien in deren Häusern in der Stadt. Es begann so: wir begleiteten diese kleine Gruppe untertags und Nelson gestaltete die Treffen mit ihnen am Abend. Klar, damals konnten wir noch nicht wissen, dass die Fazenda da Esperança zu dem werden würde, was sie heute ist. Das war schließlich eine ganz wichtige Lebenserfahrung und half mir auch bei meiner Berufungsentscheidung. Es war Frei Hans, der den Kontakt mit dem damaligen Provinzial, Frei Basílio Prim, herstellte und mit diesem darüber beriet, ob es möglich wäre, mich als Postulant aufzunehmen. Ich wurde angenommen und konnte mein Postulat in der Pfarrei Nossa Senhora da Glória verbringen. Dieses Zusammenleben mit Frei Hans motivierte mich noch mehr zum Eintritt in den Franziskanerorden.
Franziskanische Website – Wann traten Sie ein?
Frei Johannes – Am 12. August 1983 holte Frei Hans uns drei junge Deutsche mit einem Volkswagen vom Typ “Brasília” am Flughafen in Rio de Janeiro ab. Ich weiß nicht, wie wir alle in diesem Auto Platz hatten. Damals hatte ich nur ein Touristenvisum und durfte nur maximal ein Jahr im Land bleiben. Von diesem Tag an begann ich meine ersten Schritte in Richtung auf ein religiöses franziskanisches Leben. Im ersten Semester machte ich einen portugiesischen Sprachkurs in Brasília – einen Kurs für Missionare in Brasilien – und am 1. Mai 1984 kehrte ich nach Guaratinguetá zurück und wurde ins Postulat aufgenommen. Im Juli 1984 kehrte ich nach Deutschland zurück, aber mein Einreisevisum für Brasilien verzögerte meine Abreise, weshalb ich nicht wie geplant Anfang 1985, sondern erst 1986 ins Noviziat eintreten konnte. Für die Zeit des Wartens auf den Eintritt ins Noviziat kehrte ich im April 1985 in die Pfarrei Nossa Senhora da Glória zurück. Damals bat mich Frei Hans, ihm bei den vielfältigen Aufgaben bei der Vorbereitung des Eucharistischen Kongresses in Aparecida, sowie bei den Volksmissionen in Guaratinguetá zu helfen. Am 1. September 1985 wechselte ich ins Seminar Frei Galvão in Guaratinguetá und blieb dort bis zum Dezmeber. 1986 machte ich dann das Noviziat in einem Kurs von 35 jungen Männern, von denen 26 am 10. Januar 1987 die erste Profess ablegten. Das war eine wunderbare Erfahrung für mich.
Franziskanische Website – War die Eingewöhnung in Brasilien einfach für Sie?
Frei Johannes – In dieser Beziehung bin ich der Provinz der Unbefleckten Empfängnis sehr dankbar, in der ich in den ersten Jahren nur mit Brasilianern zusammenleben konnte. Man lernt besser und es hilft, sich zu inkulturieren. Meine Kollegen waren immer sehr verständnisvoll. Ich habe im Noviziat viel gelernt genauso wie in Rondinha (Philosophie) und danach in Petrópolis (Theologie).
Franziskanische Website – Von Petrópolis gingen Sie als Lehrer nach Agudos?
Frei Johannes – Ich sollte ursprünglich nur für ein Jahr in Agudos als Vertreter für Frei Mário Tagliari, der nach São Paulo ging, bleiben. Aber daraus wurde ein zweies Jahr. Dort war ich Präfekt und gab ausserdem Schulunterricht in franziskanischer Spiritualität, Geschichte und Englisch.
Franziskanische Website – War das damals, als Sie ein Deutsches Geschichtsbuch von ihrem Vater erbaten?
Frei Johannes – (lächelt). Ja. Ich konnte damit die Unterrichtsstunden besser vorbereiten. Da hier die Lehrbücher allgemeine und brasilianische Geschichte zusammen behandelten, lehrte ich auch brasilianische Geschichte den Brasilianern. Später, im Jahr 1992, lebte ich im Mariápolis-Zentrum der Fokolare in Vargem Grande Paulista, in der Nähe von São Paulo. Meine Zugehörigkeit zur Fokolarbewegung stammt bereits aus der Zeit in Deutschland, wo ich regelmäßig an einer Jugendgruppe in meiner Pfarrei teilnahm. Wir waren fünf, von denen einer Priester wurde, der heute Rektor des Regionalseminars in Münster ist und ein zweiter ein geweihter Fokolar wurde. Dank der Ermutigung des damaligen jungen Vikars und späteren Pfarrers meiner Heimatgemeinde waren wir in nur wenig mehr als 10 Jahren 15 Personen, die Priester, Ordensleute oder Fokolarini wurden. Dies war für deutsche Verhältnisse unglaublich, da es dort nur wenige Berufungen gibt.
1993 begann ich mit dem Theologiestudium in Petrópolis. 1994 ergab sich die Frage der kleinen Hausgemeinschaften in den Favelas. Wir hatten bereits zwei in der Baixada Fluminense, in Campos Elíseos und Imbariê, in der Nähe von Rio de Janeiro, wollten aber noch ein weiteres in Petrópolis. Zusammen mit Frei Angelo Luiz, damals zweiter Magister der studierenden Brüder, begannen wir über diese Frage nachzudenken. Später zogen wir ins Stadtviertel Osvaldo Cruz, wo wir 230 Treppenstufen hochsteigen mussten, um zu unserem Haus zu kommen. Von 1994 an lebte ich für vier Jahre in diesem Viertel. Am Ende meines theologischen Studiums wartete ich noch bis Juli 1997 um zum Priester geweiht zu werden. Im September hatten wir dann unser Provinzkapitel, ich wurde versetzt und kehrte in das grosse Kloster vom Hl. Herzen Jesu in Petrópolis zurück. Die Hausgemeinschaft Unsere liebe Frau von Guadalupe in Osvaldo Cruz war damals noch ein Guardianat, also eigenständig und unabhängig von einem grösseren Kloster. Für drei Jahre war ich dort Guardian, d. h. der Hausobere. Danach Guardian im Kloster vom Hl. Herzen Jesu. Danach kam ich nach São Paulo als Guardian des Klosters São Francisco.
Franziskanische Website – War das die Zeit, in der Sie das Centro Educacional Terra Santa (ein Sozialwerk, das 600 Kinder betreut) übernahmen?
Frei Johannes – Genau. Damals war dies notwendig, da die Terra Santa eine sehr enge Verbindung zum Kloster in Petrópolis hatte. Viele studentische Mitbrüder machten dort ein Praktikum oder arbeiteten dort. 1998 schaffte es die Leitung nicht mehr, zu einem gemeinsamen Konsens zu kommen. Außerdem weigerte sich eine deutsche Einrichtung, die finanzielle Unterstützung fortzusetzen, solange die Leitung das Problem nicht löse. Der Präsident und die Leitung baten uns um Übernahme der Terra Santa, die damals noch Casa dos Meninos von Petrópolis hieß. In diesem Moment war es wichtig, dass dieses wunderbare Werk zugunsten der Kinder und Jugendlichen weitergeführt werden konnte, andererseits hätte eine so alte Einrichtung von fast 80 Jahren geschlossen werden müssen. Es war klar, dass bei einer Schließung der Terra Santa viele Kinder, die in den Vierteln rund um das Franziskanerkloster wohnten, an unsere Tür geklopft hätten. Also war es besser, die bestehende Struktur aufrecht zu erhalten und zu investieren. Ich ging da hin ohne zu wissen, was mich erwartete. Ich blieb trotz Unterbrechung fast 10 Jahre an der Spitze dieser Einrichtung. Es war ein ganz allmählicher Prozess, bis die Einrichtung am 26.März 2008 in unsere Provinz eingegliedert wurde.
Franziskanische Website – Wie wird die Weihe stattfinden?
Frei Johannes – Der Gedanke war, sie so zu organisieren, dass die Menschen, die mir nahe stehen, daran teilnehmen können. Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, die Weihe für den 9. Mai in Deutschland festzulegen. Die Diözese Münster wird die Feier ausrichten, sie wird im Dom stattfinden. Am Tag darauf, dem 10. Mai, wird in meiner Pfarrei in Visbek eine feierliche Messe stattfinden, am 17.Mai in São Paulo eine Dankmesse gefeiert. Die Amtseinführung in Óbidos wird dann am 24. Mai sein.
Franziskanische Website – Warum wird die Weihe erst im Mai sein?
Frei Johannes – Weil im März meine Heimatdiözese bereits mit anderen Ereignissen ausgelastet ist, dem 50-jährigen Priesterjubiläum des emeritierten Bischofs Dr. Reinhard Lettmann und der Amtseinführung des neuen Bischofs der Diözese Münster Dr. Felix Genn am 29. März. Im April stehen die Feiern der Karwoche und Ostern an, danach findet in Brasilien das Treffen der CNBB, der brasilianischen Bischofskonferenz, statt. So ist der erste mögliche Termin Anfang Mai.
Franziskanische Website – Warum haben Sie den Namen D. Bernardo gewählt?
Frei Johannes – Deshalb, weil mein Name Johannes für viele Menschen hier schwer auszusprechen ist. Um dies zu erleichtern habe ich mich für meinen Zweitnamen entschieden, Bernhard, auf Portugiesisch “Bernardo”, einfach auszusprechen. Außerdem gab es eine weitere Motivation: der erste Gefährte des Heiligen Franziskus hieß Bernardo de Quintavalle. Es ist die Fortsetzung als Gefährte und Begleiter des Hl. Franziskus auf dem franziskanischen Weg.
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