Franziskanerprojekt zur Beseitigung der Lepra
Die Franziskanerprovinz der Unbefleckten Empfängnis in Brasilien (PFICB) hat während ihrer gesamten Geschichte eine besondere Hingabe und Zugewandtheit zur Arbeit mit Leprakranken aufgewiesen und vertieft. Zurückzuführen ist das auf eines der Schlüsselerlebnisse der franziskanischen Spiritualität, die Begegnung des heiligen Franziskus mit einem leprakranken Aussätzigen.
Die Brüder der Provinz zeichnen somit verantwortlich für eine lange Arbeit in drei Leprazentren: In Itu (Bundesstaat São Paulo), Venda das Pedras (Rio de Janeiro) und Piraquara (Paraná), wo neben der eigentlichen Behandlung der Krankheit im medizinischen Sinne ebenfalls eine begleitende spirituelle und seelische Unterstützung angeboten wird, um die Konfrontation mit der Krankheit und ihren Folgen, auch in sozialer Hinsicht (Stichwort Vorurteile), besser verarbeiten und ein geregeltes Leben weiterführen zu können. Diese Arbeit fordert viel Hingabe und verlangt den Beteiligten viel ab.
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Vor drei Jahren haben die Brüder der Franziskanerprovinz auf Bitten des Provinzialministers Frei Augusto König, ofm, beschlossen die Arbeit in den Zentren weiter auszubauen und zu intensivieren.
Somit versteht sich das Projekt für die Beseitigung der Lepra als eine Aktivität, die darauf abzielt, die Lepra in ganz Brasilien auszurotten. Dies geschieht vor dem Hintergrund des franziskanischen Wertekatalogs und der innovativen Adaption der von Franziskus vermittelten Idee der Nächstenliebe auf die Bedürfnisse der Gegenwart.
Vorrangig soll durch eine umfassende Informations- und Aufklärungsarbeit einer weiteren Ausbreitung der Krankheit zuvorgekommen werden. Das Projekt der Franziskaner ist als unterstütztende Massnahme zu den bereits existierenden Anstrengungen der Regierung und anderer Einrichtungen, die bereits Arbeit in diesem Bereich im ganzen Land vorantreiben, konzipiert. Jede Einzelaktion und Initiative sowie die Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation nach aussen geschieht in Zusammenarbeit mit dem nationalen Programm für die Kontrolle von Lepra (PNEH).
Seit 1981 können sich Lepra-Patienten kostenlos in allen Gesundheitszentren, Hilfsstationen und Versorgungspunkten behandeln lassen, sofern diese die gesamte Behandlung von Poliquimioterapia (MDT - die gleichzeitige Anwendung von Medikamenten) zur Verfügung stellen. Dank dieser Behandlung verringerte sich die allgemeine Erkrankungsrate um mehr als 80% in 10 Jahren.
Trotz der Fortschritte im Kampf gegen Lepra weist Brasilien eine im weltweiten Vergleich beträchtliche Anzahl von Infizierten auf. Der wichtigste Indikator für die Kontrolle und Erfassung der Epidemie ist die Erkennungsrate, die das Verhältnis zwischen neu auftretenden Fällen und der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung aufzeigt.
Brasilien hat eine hohe Anzahl von Neuinfektionen (2,3 neue Fälle pro 10.000 Einwohner in 2007) und im Durchschnitt 50.000 neue Fälle pro Jahr. Nach den Zahlen des Sekretariat zur Gesundheitsüberwachung (SVS) des Ministerium für Gesundheit (MS) macht das 90% der Fälle in ganz Amerika aus.
Lepra ist insofern Gegenstand der Volksgesundheit, als dass es sich um eine ansteckende Krankheit handelt, die Auswirkungen auf tausende Brasilianer bis in die Gegenwart hat. Zwar ist die Krankheit heilbar, allerdings eine Heilung nur dann sicher und umfassend, wenn eine kompletten Behandlung durchlaufen wird. Natürlich kann es dann auch die Behandlung selbst sein, die wiederum krank macht. Diese Lücke versucht man zu schliessen, indem professionelle, vollständige und angemessene Betreuung zum Nulltarif angeboten wird.
In der gesamten brasilianischen Bevölkerung ist daher der Wille danach stark ausgeprägt, dass der Gesundheitsdienst der Erfüllung seiner Rolle in der brasilianischen Gesellschaft gerecht wird. Allerdings ist es unverzichtbar zwischen Bevölkerung und Gesundheitsbehörden einen intakten Informationsaustausch zu schaffen und zu erhalten. Genau hier setzt die Arbeit des Projektes der Franziskaner an: Das bestehende Netz aus Pfarreien, Gemeinden und anderen religiösen Stätten, die bestehende kirchliche Infrastruktur wird zur Verbreitung von Informationen über die Krankheit genutzt, sodass die Menschen nach eingehender Beratung und Überwindung des Misstrauens eine geeignete Betreuung aufsuchen. Denn je früher die Diagnose erfolgt und mit der Behandlung begonnen wird, desto stärker kann die Zahl der Weiterverbreitungen minimiert werden, und gleichzeitig mehr Heilungen erzielt werden. Nur so kann die Zahl der Kranken nachhaltig und dauerhaft reduziert werden und schlussendlich der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf einen Fall pro zehntausend Einwohner definierte Beseitigungsgrad erreicht werden.
Das Projekt der Franziskaner zur Beseitigung der Lepra beinhaltet eine Arbeit spiritueller Natur besonders in den Bereichen der Kinderbetreuung und in der Ausbildung sowie Koordinierung der Vorgehensweisen, jeweils in enger Absprache und Partnerschaft mit den Behörden und der Zivilgesellschaft im allgemeinen.
Eine Alarmierung und Sensibilisierung der Bevölkerung für die Bedeutung der Früherkennung entfaltet eine überaus positive und schützende Wirkung, stärkt die Bürgerrechte und ist für eine Eliminierung der Krankheit in Brasilien eine essentielle Voraussetzung. Um die Lepra also unter Kontrolle bringen zu können ist es notwendig, Informationen für die Früherkennung und Prävention bereitzustellen. Wir wollen dies mit einer möglichst großen Zahl von Projekten und Aktionen bei damit einhergehendem schrittweisen Ausbau unserer Aktivitäten für die verschiedenen brasilianischen Gemeinden realisieren.
Solange Monteiro Amador
Koordinatorin des Projekts: Franziskaner für die Beseitigung der Lepra
Verantwortlicher Franziskaner des Lepraprojektes:
Frei Johannes Bahlmann, ofm
Convento São Francisco
Largo São Francisco, 133, Centro,
01005-010 São Paulo – SP / Brasilien
Email: johannes@franciscanos.org.br
Site: www.franciscanos.org.br
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